Laizismus wäre das Ende? Michael Rux widerspricht Wolfgang Thierse

Wolfgang Thierse schloss in einem aktuellen „Vorwärts“-Interview zur Papstwahl eine Modernisierung der SPD-Politik in Bezug auf Religionsgemeinschaften und die Trennung von Staat und Religion kategorisch aus. Thierse: „Laizismus wäre das Ende“. Nicht nur auf facebook zeitigten diese Äußerungen wütende und ablehnende Reaktionen. Michael Rux, Sprecher der laizistischen Sozialdemokrat/innen Baden-Württemberg und des AK Laizist/innen in der SPD Freiburg, schickte dem „Vorwärts“ eine Stellungnahme:

Ich schätze Wolfgang Thierse wegen seines Einsatzes für die Demokratie und gegen das Vergessen sehr, aber was er als Sprecher des AK Christen zur Frage des Laizismus von sich gibt, ist dummes Zeug. Wir Laizist/innen in der SPD wollen unsere Partei nicht zu einer antikirchlichen machen, sondern wir wollen, dass in Deutschland die Trennung von Staat und Kirche bzw. die Trennung von Staat und Religion endlich verwirklicht wird. Religion muss Privatsache sein. Wenn die private, persönliche Glaubensüberzeugung einen Menschen dazu bewegt, gegen Diktatur und Unfreiheit aufzustehen, dann ist das eine großartige Sache. Wenn eine religiöse Gemeinschaft ihre Mitglieder hierin bestärkt, dann hat sie meine volle Sympathie. Das ist aber kein Grund dafür, diesen religiösen Gemeinschaften Sonderrechte im

Quelle: ikvu

Quelle: ikvu

Vergleich zu anderen Vereinen einzuräumen (z.B. den 1,3 Millionen Beschäftigten in kirchlichen Betrieben die Tariffreiheit oder das Streikrecht zu verweigern oder sie vom Gleichbehandlungsgesetz auszunehmen, während andere soziale Träger-Vereinigungen wie die AWO an diese allgemein geltenden Gesetz gebunden sind). In diesem Sinne sind wir Laizist/innen in der SPD vielleicht antiklerikal, aber nicht antikirchlich oder gar antireligiös. Wir setzen uns vielmehr für die Verwirklichung der Religionsfreiheit in ihrem vollen Umfang ein – nämlich als das Menschenrecht, eine Religion zu haben und auszuüben, und gleichermaßen als das Recht, keine Religion zu haben und in keiner Weise an religiösen Handlungen teilhaben zu müssen. Das ist eine der bedeutendsten Errungenschaften im Emanzipationsprozess unserer freiheitlichen Gesellschaft und ein großes Erbe unserer Partei, das wir bewahren wollen. Wir würden uns wünschen, wenn wir dabei die Christen in der SPD und Wolfgang Thierse als Verbündete hätten – gegen den engstirnigen Mief der Einheit von Thron und Altar, der sich beispielsweise darin manifestiert, dass wir noch heute die Gehälter und Pensionen von Priestern und Bischöfen aus der Staatskasse finanzieren, also aus den Steuern aller Bürger/innen, auch der Muslime oder der Atheisten. Allein das Land Baden-Württemberg gibt jährlich mehr als 100 Millionen Euro für diesen Zweck aus.

 

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Ein Kommentar

  1. Hans Baulig

     /  Mai 13, 2013

    Wenn Sie Staat und Kirche trennen wollen, wer übernimmt dann die Aufgaben der Kirchen, die im Sinne des Subsidiaritätsprinzips, die Aufgaben des Staates erfüllen?
    Von diesen übernommenen Aufgaben profitieren auch alle Steuerzahler. Wir nehmen in unseren Kindergarten ganz selbstverständlich auch muslimische Kinder auf.

    Es liegt sicher immer und überall -ob Kirche oder Staat- etwas im Argen.
    Mit plakativen Forderungen schütten sie aber das Kind im Bade aus.
    Ich finde es unlauter, Kosten aufzuführen und nicht zu benennen, welche Kosten auf den Steuerzahler zukämen, sollten die Kirchen vom Staat entkoppelt werden.

    Als ein Argument für die Trennung von Staat und Kirche aufzuführen, das die Kirchen ein eigenes Arbeitsrecht für sich in Anspruch nehmen, was so plakativ formuliert auch nicht stimmt, begründet doch nicht im Kern den Laizismus. Sie suchen die Zusammenarbeit mit Hr. Thierse, dann setzen sie sich mit ihm ein für gleiche Arbeitsbedingungen ein.
    Da und woanders gibt es sicherlich Nachholbedarf, aber führen sie bitte nicht die Kirche allein als Nutznießer an, der Staat ist es umgekehrt ebenso bei der Kirche.

    Hans Baulig

    Antwort

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