Laizismus für das 21. Jahrhundert: Politisch, programmatisch und progressiv!

Aspekte für eine zeitgenössischen Laizismus-Theorie

Laizismus ist mehr als eine politische Strömung oder gar Ideologie des 19. Jahrhunderts, die im Zuge von Humanismus und Aufklärung einen antireligiösen-atheistischen Staat oder eine säkularisierte Politik in den Bereichen von Bildung und Recht durchsetzen wollte. Ein Laizismus des 21. Jahrhunderts soll sich als politische wie kritische Alternative zu einer Politik verstehen, die politisches Handeln mir religiösen Überzeugungen und Vorschriften begründet, für den politischen Diskurs heranzieht oder Religionsgemeinschaften privilegiert. Innerhalb demokratischer, freiheitlicher, rechtsstaatlicher und pluralistischer Staaten ist er ein Korrektiv des politischen Handelns in Bezug auf die Verhältnisse von Staat und organisierter Religion sowie Religionsgemeinschaften und Politik.

 

Ein Laizismus sozialer und demokratischer Lesart hat sich deshalb vor allem auf die politischen, programmatischen und progressiven Aspekte von staatlicher Neutralität und Religionsfreiheit zu berufen.

1.                  Politischer Laizismus: Weniger als eine Weltanschauung und mehr als eine abstrakte Theorie bezieht sich ein politischer Laizismus auf das politische Handeln, versucht die Verhältnisse von Staat und Religion(en) als poltische Prozesse zu begreifen. Diese gilt es kritisch und unter der größtmöglichen Neutralität und Autonomie des Staates zu gestalten. Die Privilegierung bestimmter Religionsgemeinschaften sowie die Verwechslung von Religion mit Politik sind abzulehnen.

 2.                  Programmatischer Laizismus: Neutralitätsgebot und die (negative) Religionsfreiheit sind Prinzipien, die ein politischer Laizismus über die Gestaltung eines Programmes von Alternativen und Reformen der Verhältnisse in Bereichen wie Bildung, Recht, Finanz- und Kulturpolitik zu erreichen sucht. Dabei vertritt Laizismus ebenso die Interessen und Themen Religions- wie Konfessionsloser, von AtheistInnen und HumanistInnen, wie die Durchsetzung der Grundanliegen de jure wie de facto.

 3.                  Progressiver Laizismus: Laizistische Politik und Programmatik bezieht sich nicht bloß auf die bestehenden Verhältnisse, sondern arbeitet auf eine größtmögliche Verwirklichung ihrer Ziele hin. Diese hat zu berücksichtigen, dass sich sowohl die sozialen Verhältnisse in Bezug auf Religionsgemeinschaften und ihre Sozialformen ändern als auch die Interessen von Konfessionslosen, AtheistInnen und HumanistInnen weder immer übereinstimmen noch immer klar bestimmt sind. Laizismus bleibt damit ein sich immer wieder aktualisierender und folglich progressiver Gestaltungsauftrag.

Diese grundlegenden Aspekte eines politischen, programmatischen und progressiven Laizismus sollen einen orientierenden Rahmen bieten, damit die einzelnen Themenfelder, Herausforderungen und Interessen als ein laizistisches Programm, eine laizistische Positionierung verstanden werden können.

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