AsF Schleswig Holstein erzielt laizistischen Teilerfolg

SPD-Landesparteitag beschließt eine Fachtagung und einen Antrag zur „offenen Gesellschaft“

Die AsF Schleswig Holstein hat auf dem Landesparteitag in Neumünster Teilerfolge erzielt. Zwar wurde die Antragsberatung zur Trennung von Staat und Kirche abgebrochen, aber die Argumente für moderne Religionspolitik haben die Genossinnen und Genossen nachdenklich gemacht. Deshalb soll eine Fachtagung erfolgen, auf der weiter über religionspolitische Verhältnisse und Laizität beraten werden soll. Die Landesvorsitzende Sabine Gillessen gibt sich deshalb betont kämpferisch:

Insgesamt war es ein guter Parteitag mit fortschrittlichen Beschlüssen, vor allem bei den gesellschaftspolitischen Themen. Die Debatte um den Laizismusantrag war zu kurz, aber sie ist ja nicht beendet. Wir bleiben dran. Und wir werden sehen, was wir bewegen können – Aufklärung 2.0 gehört zu moderner Gesellschaftspolitik dazu.

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Außerdem konnte ein Punkt im Antrag zur „offenen Gesellschaft“ beschlossen werden, der besonders die Ausnahmen im Arbeitsrecht für Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften betrifft. Hier wurde eine Beschränkung der Ausnahmen auf die „verkündigungsnahen“ Bereiche gefordert. Statt eines undifferenzierten Selbstbestimmungsrechtes der Kirchen, welches Arbeitsrechte wie den Kündigungsschutz und Chancengleichheit einschränkt, wird Wert auf eine Unterscheidung der geleisteten Arbeit und ihres Bezuges gelegt.

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SPD Frauen aus dem Norden fordern moderne Religionspolitik statt Kulturkämpfe

Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen Schleswig Holsteins tritt für moderne Religionspolitik ein. Sie haben einen Antrag für den Landesparteitag im März gestellt, um gezielt ein laizistisches Staatsverhältnis gegenüber Religionen und Weltanschauungen einzufordern. Mit ihrem Hinweis auf die plurale Gesellschaft und die Freiheit sich seine Religion und Weltanschauung auszuwählen, beweisen die Sozialdemokratinnen mehr Mut als so mancher Parteifunktionär.

Dem gegenüber gilt es zu betonen, dass eine moderne Demokratie in ihrem Kern laizistisch sein muss: d.h. sie muss die vollständige Trennung von Staat und Kirche bzw. Religion(en) vollzogen haben, um mit der zunehmenden Pluralität in ihrem Bereich umgehen zu können und keine Diskriminierung aufgrund von Weltanschauungen auszuüben – es sei denn, diesebefänden sich im Konflikt mit ihrer Verfassung und den Menschenrechten.

Die ASF begründet Laizität mit einer Haltung, die keine Religion oder Weltanschauung diskriminiert und den Staat auf Menschenrechte und Verfassung verpflichtet. Um eine solche neutrale Haltung zu erreichen, sind laizistische Mittel wie die Trennung von Kirche und Staat der erste Schritt.

Es geht nicht um Kulturkämpfe, wenn die religiöse und weltanschauliche Vielfalt in der Gesellschaft nach neuen Lösungen verlangt, als immer die Kooperation des Staates mit bestimmten christlichen Kirchen und Religionsgemeinschaften zu betonen. Ralf Stegner irrt, wenn er in laizistischen Positionen nur Kulturkämpfe sieht, denn schon längst haben sich Kultur und Gesellschaft gewandelt. Ja, es gibt noch immer religiöse Menschen, die sich aber nicht nur in Großkirchen zusammenfinden. Das religiöse und spirituelle Leben in Deutschland ist und wird bunter. Ja, immer mehr Menschen wollen sich religiös nicht festlegen lassen, wenden sich humanistischen oder wissenschaftliche Welterklärungen zu, oder bescheiden sich als agnostische oder ethisch Orientierte.

Dies bedeutet auch, dass die Verfassung einer modernen Demokratie niemals religiös begründet sein kann, sondern ihre Prinzipien aus einem allgemein gültigen, umfassenden Humanismus beziehen muss. Die Verständigung über dessen Werte bzw. deren Vermittlung darf in unserer Gesellschaft keinen Schranken unterworfen sein, welche eine einzelne Religionsgemeinschaft gesetzt hat (bzw. auch mehrere Religionsgemeinschaften unter Ausschluss der AgnostikerInnen und AtheistInnen).

Ein neutraler und säkularer Staat braucht keine religiöse Rückbindung. Zwar ist die Bezeichnung eines „umfassenden Humanismus“ mehrdeutig und kann zu Missverständnissen führen, jedoch ist der Antrag kein philosophisches Papier, sondern ein politischer Vorstoß.

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Ein Plädoyer für 2015: Das Jahr der Laizität und Religionsfreiheit

Anstatt guter Vorsätze für das neue Jahr sollen im Folgenden einige Punkte in Erinnerung gerufen werden, die vielleicht die Arbeit politischer Laizität argumentativ bereichern und einen Einstieg in  Themen anbietet, die 2015 akut werden. Neben den Debatten zur Regelung der Sterbehilfe gehören hierzu nach wie vor das Arbeitsrecht, die religionskundliche Bildung und der Umgang mit Minderheitsreligionen. Konkret wird die Finanzierung religiöser Events wie den Kirchentagen und der Gestaltung des Reformationsjubiläums alle Laizistinnen und Laizisten innerhalb wie im Dunstkreis der SPD beschäftigen. Es gilt nicht weniger und nicht mehr, als sich für eine freie, gerechte und möglichst faire Religions- wie Weltanschauungspolitik einzusetzen. Dies mit Amt und Mandat, innerhalb der parteilichen oder politischen Gliederungen und nicht zuletzt als interessierte Bürgerin oder Bürger.

Das elfte Gebot

Selbstbestimmt Sterben – Jusos Kiel

Laizistische Sozis – Sterbehilfe

Die nur teilweise weltanschaulich motivierten Demonstrationen der Pegida und anderen Gruppen machen deutlich, dass es wichtig ist den Angstmachern und Demagogen entschlossen entgegen zu treten. Wer von einer „Islamisierung des Abendlandes“ spricht, hat weder etwas von einer Trennung von politischem und religiösen Islam verstanden,noch davon, dass es „das Abendland“ nie gegeben hat. Es spricht für ein gefährliches Denken, welches Politik zu einem Sammelsurium an Ängsten und Parolen herabstuft.

Laizistinnen und Laizisten brauchen hier nicht wortlos in der Ecke zu stehen, sondern können sich für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, humanistische und säkulare Ziele, liberale Religion und eine aufgeklärte wie pragmatische Politik einsetzen. Die größten Argumente die Laizität anzubieten hat sind dabei die individuelle und die kollektive Religionsfreiheit, die es zu erreichen wie zu bewahren gleichermaßen gilt. Bestimmte Religionsgemeinschaften genießen immer noch Privilegien, die nicht den aktuellen Verhältnissen in der Gesellschaft entsprechen. Antireligiöse Propaganda sollte nicht Phobien, Fremdenhass und soziale Konflikte schüren.

„Die Zukunft ist offen“ ist ein Credo, welches die aufgeklärte Laizität zur Gestaltung einer Religionspolitik einsetzen kann, die sich vor allem an der Freiheit des Individuums orientiert und diese fördert.

Individuelle Religionsfreiheit fördern

Die religiöse und weltanschauliche Gewissens- oder Überzeugungsfreiheit ist für Laizistinnen und Laizisten ein hohes Gut. Erst wenn staatliche Privilegierung oder Bevormundung faktisch nicht bestehen und eine möglichst freie Wahl der moralischen Orientierung ermöglicht wird, kann von einer theoretischen wie praktischen Religionsfreiheit die Rede sein. Eine kollektive Religionsfreiheit kann sich deshalb immer nur nach der individuellen ausrichten und ist dieser untergeordnet. Schließlich sollten weder der Staat noch politische Strukturen darüber bestimmen, ob Jemand sein Leben und Handeln nach transzendenten Mächten, wissenschaftlichen Expertisen oder gar humanistischen Philosophien gestaltet. Laizismus geht von einem freien Individuum aus, das unter der größtmöglichen religiösen wie weltanschaulichen Bildung seine Überzeugung frei wählen kann. Diese individuelle Wahl ist weder endgültig noch einer bestimmten Vorstellung von absoluten Begründungen unterworfen. Schließlich kann ein Individuum durchaus Elemente aus mehreren religiösen, szientistischen oder humanistischen Traditionen miteinander verbinden oder sich umorientieren. Wer zu Beginn seines Lebens Atheist war, kann in der Mitte seines Lebens evangelikaler Christ werden und zum Ende seines Lebens hin agnostischer Buddhist, Protestant oder überzeugter Humanist. Religionen und Weltanschauungen, welche diese individuelle Religionsfreiheit im Besonderen zu ihrer Voraussetzung machen und nicht nur als ein schmückendes Beiwerk betrachten, oder einen gesellschaftlichen Kompromiss formulieren, sind gut mit laizistischer Politik zu vereinbaren. Letzten Endes sollte ein freies, selbstbestimmtes Individuum auch aus Sicht von Religionen und Weltanschauungen den besten aller möglichen Anhänger darstellen.

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Laizität – von der „säkularen Option“ zur sozialliberalen Position

Laizität als politisches Prinzip kann verschiedene Ausprägungen haben, oder wie es der kanadische Philosoph Charles Taylor umschreibt, verschiedene Regime der Laizität bedeuten. Er spricht bezüglich einer Laizität, welche die strikte Trennung von Politik und Religion sowie Kirche und Staat betreibt, von einem republikanischen Regime. Diesem stellt er eine Laizität gegenüber, die gerade das Mittel einer Trennung von Politik und Religion nicht zum Zweck erhebt. Vielmehr braucht eine positive Laizität auch positive Gründe, die ihre Verfechter anbringen können, um für die Idee einer Differenzierung von Politik und Religion zu werben (Taylor/ Maclure 2011, 39-48).

Taylors liberal-pluralistische Laizität stellt ein Regime der Laizität dar, welches der Religion ihre Bedeutung für den Einzelnen und vor allem die Bedeutung des Einzelnen für Religion viel Raum lässt, jedoch ebenso die Negation von Religion aufwertet. Für Taylor ist die „Gewissensfreiheit“ eine menschliche Möglichkeit die je eigene Überzeugung frei zu wählen, ohne einem Zwang zu unterliegen, eine tradierte Religion oder Säkularität zu pflegen (Taylor/Maclure 2011, 31-33). Diese Möglichkeit der Wahl seiner eigenen Überzeugungen, stellt wiederum die Laizität auf eine gewisse Probe. Möchte sie sich als Befreiungsbewegung verstehen, büßt sie nach der taylor’schen Lesart ein Emanzipationaspekt ein. Schließlich ist eine religionsfreie Laizität, die keine Freiheit von der Religion mehr behaupten möchte, nicht mehr die alleinige Option, welche dem säkularen Menschen in modernen Gesellschaften offensteht.

Hier liegt jedoch auch die Chance, dass eine liberale Laizität nicht nur die Freiheit von Religion, sondern ebenso die Freiheit für Religion, für eine eigene Überzeugung, für ein eigenes „Gewissen“ bedeutet. Dieses Moment der positiven Wahlfreiheit, die ihre negative Seite der Ablehnung von Religion, Überzeugung und „Gewissen“ mit einschliesst, könnte ein wesentlicher Aspekt eines zukunftsfähigen Verständnisses von Laizität sein.

Der emanzipatorische Aspekt der Laizität geht nicht verloren, indem die Säkularisierung als Prozess der Befreiung von Religion und einer Überwindung von Tradition wie Organisation einer den Menschen beschränkenden Form von Religiosität aufgegeben wird. Er kann vielmehr verloren gehen, wenn aus dem Gedankengut der Aufklärung, der politischen Folgen der französischen Revolution und dem Konkurrenzmodell der „säkularen Option“ (Joas 2013, 261-264) eine alternativlose Ideologie gemacht wird.

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Gottesbetrug: Vor der Religionsfreiheit und den Menschen!

Keinen Gottesbezug in Landesverfassungen – ein Kommentar!

Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in Schleswig-Holstein fordern einen Gottesbezug in der Landesverfassung zu verankern. Dieses Ansinnen wird von Ministerpräsident Thorsten Albig persönlich unterstützt und soll den Wertvorstellungen der Schleswig-Holsteiner, den Menschen in dem Bundesland entsprechen.

Neben dieser allgemeinen Berufung auf einen geteilten „Wertekanon“, begründen die Genossinnen und Genossen diese Forderung mit dem Verweis auf eine Übereinstimmung mit den großen, monotheistischen Religionsgemeinschaften. Mit der Formulierung „vor Gott und den Menschen“ sehen sie beide Interessen, die säkularer, humanistisch gesinnter Menschen sowie religiöser Menschen erfüllt.

Mit dieser Forderung begeben sich jedoch alle auf eine Irrfahrt, die solche Forderungen für eine Konsequenz von Religionsfreiheit und Werteverankerung einer Verfassung halten, welche die Zukunft und Vielfalt unserer Gesellschaft garantieren soll.

Es mag sein, dass führende Kieler Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten die religions- und gesinnungskritische Tradition der ältesten Partei in Deutschland vergessen haben. Es mag sein, dass sie die Emanzipation von einer autoritären und einseitigen Religionskultur, die Vertreter wie August Bebel und andere in der Partei hochgehalten haben, mit Füßen treten, da die Trennung von Staat und Kirche, Religion und Politik für jene auch immer ein Stück Freiheit und Gleichheit bedeutet hat. Es mag auch sein, dass sie die wichtige Erkenntnis aus der Geschichte der Arbeiterpartei ignorieren, dass eine Letztbegründung von Werten sich immer an den sozialen Tatsachen zu messen lassen hat und diese nicht einfach einer lobbyistischen Interpretation und Begradigung von Unterschieden zum Opfer fallen darf.

Es ist jedoch ein Irrtum, wenn die deutsche Sozialdemokratie die Zeichen der Zeit verkennt und durch einen Gottesbezug, der weder die religiöse noch weltanschauliche Vielfalt in unserer Gesellschaft berücksichtigt, noch für wirkliche Werte stehen kann und soll, sich selbst Lügen straft.

Die Gleichsetzung eines theistischen Gottesbezuges mit Religion als solcher und in dieser Abfolge mit einer Vorstellung als einem Adressaten, der als „höchstes Wesen“ unbestimmt bleibt, kann die eingeforderte Werteorientierung nicht einlösen. Bleibt die Gottesfrage in einer diffusen Unbestimmtheit, ist dieser Verfassungsappell nicht mehr und nicht weniger als eine Leerformel. Welche Werte sollen diesen Gottesbezug rechtfertigen? Christliche, jüdische, muslimische? Was ist mit den zahlreichen nicht-theistischen Überzeugungen? Was mit denen der liberalen und säkularen, die sich nicht unter eine allgemeine Formel von Humanisten unterordnen lassen?

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Die „heilige Familie“ unter dem Regenbogen!? – Ein Kommentar

Zwei Online-Petitionen haben die überregionale Presse bewegt, in denen es um die Verabschiedung des neuen Bildungsplanes in Baden-Württemberg geht. Auf der einen Seite sehen die Verteidiger einer „heiligen Familie“ durch ein Bildungsziel der sexuellen Aufklärung über sexuelle Identitätsbildung, Homo-, Trans- und Intersexualität den Untergang des Abendlandes heraufziehen. Beziehungsverhältnisse, die nicht Mann-Frau-Kind(er) Verhältnisse begünstigen, dürfen nicht staatlich „erzogen“ werden.

https://www.openpetition.de/petition/online/zukunft-verantwortung-lernen-kein-bildungsplan-2015-unter-der-ideologie-des-regenbogens

Auf der anderen Seite ist für liberale und säkulare Kreise diese Bildungsreform eine Möglichkeit zu mehr Akzeptanz, Aufklärung und einer Befähigung zur sexuellen Selbstbestimmung. Schließlich geht es um ein Bildungsziel von vielen und keine ideologische Bestimmung oder Festlegung.

https://www.openpetition.de/petition/online/gegenpetition-zu-kein-bildungsplan-2015-unter-der-ideologie-des-regenbogens

Der Streit um bestimmte Beziehungs- und damit Lebensverhältnisse ist eine Moralisierung einer Debatte um öffentliche Aufgaben und Mittel, die erschreckende Ausmaße annehmen kann. Alle Teilnehmer*innen aus der religiösen und säkularen Szene sollten sich bewusst sein, dass Religionsfreiheit nicht bedeutet kann, ein bestimmtes Lebensverhältnis absolut über andere zu stellen. Das wäre eine „ideologische Umerziehung“ und nicht die Entwürfe von Bildungsplänen zur Wissensvermittlung über sexuelle Vielfalt.

Entscheidend ist vielmehr, die Konzentration vom „Wer mit wem?“ auf das „Wie mit wem?“ zu lenken , auf die Werte, die für eine glückliche und gelingende Beziehung ihre Bedeutung entfalten können. Der Versuch eine bestimmte heteronormative Geschlechterkonstellation als moralisch privilegiert hervorzuheben, weil sie gar einer traditionellen symbolischen Form mehr entspricht oder von einer Mehrheit gelebt wird, widerspricht sowohl dem Prinzip der Freiheit als auch dem Prinzip der Gleichberechtigung.

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Landeskirchen widersprechen Gleichstellungspolitik in der Bildung

In ihrer gemeinsamen Stellungnahme zu den beiden Petitionen und der Debatte um den neuen Bildungsplan in Baden-Württemberg, haben die beiden Landeskirchen der sexuellen Vielfalt eine Absage erteilt. Sie sehen in den Reformplänen der grün-roten Landesregierung die Gefahr einer Ideologisierung und berufen sich auf wissenschaftliche Kontroversen sowie Uneinigkeit in der Bevölkerung. Erneut geht es um die vorrangige Deutungshoheit der Kirchen bezüglich der Bildungspläne und ein Verständnis nach „Gutskirchenart“, das sich in Toleranz-Rhetorik und vermeintlicher Dialogbereitschaft niederschlägt. Es wird Zeit, dass die Politik die privilegierenden Mitspracherechte der Kirchen hinsichtlich der Bildungspläne überdenkt.

http://www.elk-wue.de/aktuell/detailansicht-pressemitteilung/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=50809&tx_ttnews%5BbackPid%5D=98&no_cache=1

Die Kirchen Betonen die Bildungsziele wie Gewaltprävention, Nachhaltigkeit und Gesundheit, möchten jedoch keine darstellende Aufklärung über die sexuelle Vielfalt, Identitätsbildung und mögliche Formen von Lebensverhältnissen. Diese sind für sie wiederum Ideologie, eine Gefahr innerhalb eines „sensiblen Bereiches“ und mit den anderen Bildungszielen nicht gleichzusetzen.

Jeder Form der Funktionalisierung, Instrumentalisierung, Ideologisierung und Indoktrination gilt es zu wehren. Dies gilt nicht zuletzt im sensiblen Bereich der sexuellen Identität und damit verbundener persönlicher und familiärer Lebensentwürfe.

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„Ohne Angst verschieden sein zu Können“ – Eine laizistische Begegnung mit Wolfgang Thierse am 29. Mai 2013 in Heidelberg

Ein Vortrag über religiöse Toleranz in unserer Gesellschaft? Wer wäre da besser geeignet als Wolfgang Thierse, Genosse, bekennender Katholik und Gegner laizistischen Gedankengutes, um auf Einladung der Hochschule für Jüdische Studien in der Alten Aula der Universität Heidelberg zu sprechen? Ich erwartete den üblichen moralfunktionalistischen Code, mit dem Thierse die Bedeutung von Religion für Staat, Politik und Gesellschaft zum Besten gibt. Jedoch war die Begegnung überraschend anders – Thierse fordert Religionsverfassungsrecht statt Staatskirchenrecht – so hätte die Überschrift zu diesem Beitrag ebenfalls lauten können.

In Realpräsenz und mit Fokus auf die religiöse Toleranz sprach Thierse gerade nicht einem funktionalistischen Ansatz von Religion nach dem Mund, die für Staat wie Gesellschaft nützlich sei, sondern betonte die Wichtigkeit von Zusammenhalt und Differenz in einem pluralen Staat. Gewiss, dass Demokratie Religion braucht und dass gerade religiöse Toleranz den „Respekt vor den Unterschieden“ besonders zu sichern vermag, oder ein besonderer Indikator ist, davon ist Thierse nach wie vor überzeugt. Ebenso, dass eine Gesellschaft einen Zusammenhalt benötigt, der gerade durch ein Mindestmaß an Homogenität und eine Integrationsfähigkeit gekennzeichnet ist, durch den R24204131_4d7439d025eligionen in besonderer Art und Weise beitragen.

Gerade in ihrem Umgang mit den Religionsgesellschaften und der Sorge wie Pflege um die Möglichkeitsbedingungen religiöser Toleranz kann eine Gesellschaft über materielle und formale Aspekte hinaus ihren Bestand sichern. Zwar konnte Thierse über diese verdeckt metaphysischen Spekulationen und ein überragendes Sammelsurium von Zitaten kaum Begründungen liefern, bewies jedoch eine große Sensibilität hinsichtlich der notwendigen Komplexität eines solchen gesellschaftlichen Diskurses um Toleranz. Immer wieder griff er auf den „säkularen Denker“ Habermas zurück, der hier, wohl anknüpfend an das Böckenförde-Diktum von den Grenzen der Selbstbegründung des Staates aus sich heraus, die Anerkennung der Beiträge religiöser Argumentation im Diskurs um Werte und Normen neu für sich entdeckt hat.

http://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/sixcms/media.php/1290/2001_habermas.pdf

Auf Nachfrage hin gibt Thierse auch zu verstehen, dass er kein Alleinstellungsmerkmal oder Monopol für Religionen behaupten möchte, die in diesem Sinne eine besondere Rolle hinsichtlich der Entwicklung wie Ausprägung von Toleranz in der Gesellschaft spielen. Andere Weltanschauungen wie Überzeugungen sind genauso gefragt und Thierse bezieht sich bei der Religionsfreiheit sowohl auf die Freiheit von als auch die Freiheit für Religion. Natürlich hat er für die Beiträge humanistischer, agnostischer wie atheistischer Lesart keine Argumente, schließt diese jedoch nicht aus und zeigt durch seinen Rückgriff auf moderne philosophische Modelle, dass er Toleranz keinesfalls als einfachen, phänomenalen Wert betrachtet.

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Offener Brief: Für eine Reform des Feiertagsgesetzes

Die Sprecher der sozialdemokratischen Laizist/innen Baden-Württemberg – Adrian Gillmann, Lukas Kurz und Marc Mudrak – haben einen offenen Brief an SPD-Abgeordneten im Landtag geschickt. Es geht um die Reform des Feiertagsgesetzes im Südwesten. Die Laizist/innen fordern eine Abschaffung der generellen Tanzverbote an kirchlichen Feiertagen.

Mehr Freiheit wagen!

Mehr Freiheit wagen!

Der Brief im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Genossinnen und Genossen,

wir sozialdemokratischen Laizistinnen und Laizisten treten für eine Reform des Feiertagsgesetzes und die Abschaffung genereller Tanzverbote ein. Baden Württemberg hat mit vier generellen Tanzverboten und vierzehn eingeschränkten Tagen das strengste Feiertagsgesetz der ganzen Bundesrepublik.

Wir sehen in den Schutzbestimmungen bezüglich religiöser Feierlichkeiten dem Anliegen einer positiven Religionsfreiheit Genüge getan, wenn christliche Feste begangen und störungsfrei ablaufen können. In den generellen Tanzverboten sehen wir nicht allein eine Verletzung der freien Entfaltung der Persönlichkeit, sondern ebenso eine Einschränkung der negativen Religionsfreiheit, da ein bestimmtes Verhalten allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern auferlegt wird.

Wir sehen die Interessen von liberal religiösen, konfessionsfreien, agnostischen und atheistischen Menschen nicht berücksichtigt, wenn öffentliche Veranstaltungen und Tanzunterhaltung in geschlossenen Gesellschaften wie Räumen generell und strafrechtlich untersagt sind.

Diesbezüglich werden die Interessen bestimmter Religionsgemeinschaften mit öffentlichen Interessen gleichgesetzt und die Entwicklungen einer säkularen, multireligiösen wie pluralen Gesellschaft ignoriert. Schon jetzt praktiziert nur noch eine Minderheit der christlichen Religionsgemeinschaften ihre Religion in einem Verständnis, das eine solche Gleichsetzung legitimieren würde. Zudem ist im Sinne einer neutralen Staatsverfassung wie entsprechender Gesetze eine Feiertagsregelung nicht mit moralisch-theologischen Ansichten über ein öffentliches oder gar individuelles Verhalten zu begründen.

Hiermit fordern wir eine Reform des Feiertagsgesetzes in die Wege zu leiten, den kritischen Dialog mit den Vertretern religiöser Gemeinschaften, Veranstaltern sowie säkularen Gruppen zu suchen und für die Abschaffung der generellen Tanzverbote einzutreten.

Für nähere Informationen, Gespräche und Aktionen stehen wir gerne zur Verfügung.

Mit bestem Dank und Grüßen,

Für die sozialdemokratischen Laizisten Baden-Württemberg

Lukas Kurz (Tübingen), Marc Mudrak (Heidelberg), Adrian Gillmann (Heidelberg)

Liebe Deine Nächsten – Aber gib uns deine Rechte? Arbeitnehmer*innen in der Kirche

Mi 10. April, 19 Uhr, Uni Stuttgart Raum M11.91

In Kooperation mit der Juso-HSG Stuttgart

Die Kirchen sind als Betreiber von u.a. Schulen, Krankenhäusern und Kirchen der größte Arbeitgeber in Deutschland. Was bedeutet es für uns Studierende, wenn die Kirche als ein potentieller Arbeitgeber für uns erscheint?

Welche Rechte hat man – und worauf muss man verzichten? Und ist dasportrait
eigentlich so noch zeitgemäß?

Diese Fragen stellen wir auch unserer Referentin Ingrid Matthäus-Maier, der ehemaligen Chefin der KfW, und freuen uns auf eine spannende Diskussion. Dazu laden wir euch ganz herzlich ein!

„Die Eingriffe der Kirchen und ihrer Einrichtungen wie Caritas und Diakonie in die private Lebensführung ihrer rund 1,3 Millionen Beschäftigten passen nicht in die moderne Demokratie.“

http://www.vorwaerts.de/94388/interview_matthaeus_maier.html;jsessionid=C685915010DA2C1509BF0BD21EBCABF6

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